Ergebnisse der Formel 1 Saison 2005

Großer Preis der USA in Indianapolis

Qualifying - Ergebnis Rennen - Ergebnis


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../bilder/drap_usa.gif Großer Preis der USA in Indianapolis
9. Lauf zur Formel-1-WM 2005
Qualifying - Ergebnis

Pos. Fahrer Team R. Zeit Abstand Rnd.
1 J. Trulli Toyota M 1:10.625 3
2 K. Räikkönen McLaren M 1:10.694 0:00.069 3
3 J. Button BAR M 1:11.277 0:00.652 3
4 G. Fisichella Renault M 1:11.290 0:00.665 3
5 M. Schumacher Ferrari B 1:11.369 0:00.744 3
6 F. Alonso Renault M 1:11.380 0:00.755 3
7 R. Barrichello Ferrari B 1:11.431 0:00.806 3
8 T. Sato BAR M 1:11.497 0:00.872 3
9 M. Webber Williams M 1:11.527 0:00.902 3
10 F. Massa Sauber M 1:11.555 0:00.930 3
11 J. Montoya McLaren M 1:11.681 0:01.056 3
12 J. Villeneuve Sauber M 1:11.691 0:01.066 3
13 R. Zonta Toyota M 1:11.754 0:01.129 3
14 C. Klien Red Bull M 1:12.132 0:01.507 3
15 N. Heidfeld Williams M 1:12.430 0:01.805 3
16 D. Coulthard Red Bull M 1:12.682 0:02.057 3
17 T. Monteiro Jordan B 1:13.462 0:02.837 3
18 C. Albers Minardi B 1:13.632 0:03.007 3
19 N. Karthikeyan Jordan B 1:13.776 0:03.151 3
20 P. Friesacher Minardi B 1:14.494 0:03.869 3
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../bilder/drap_usa.gif Großer Preis der USA in Indianapolis
9. Lauf zur Formel-1-WM 2005
Rennen - Ergebnis

Pos. Fahrer Team R. Abstand Box.
1 M. Schumacher Ferrari B 1.29:43.181 2
2 R. Barrichello Ferrari B 0:01.522 2
3 T. Monteiro Jordan B +1 Rnd. 2
4 N. Karthikeyan Jordan B +1 Rnd. 2
5 C. Albers Minardi B +2 Rnd. 3
6 P. Friesacher Minardi B +2 Rnd. 2

Ausfälle:

Nicht klassifiziert (Startverzicht wegen Reifenproblemen)

Pos. Fahrer Team R. Abstand Box.
7 J. Trulli Toyota M +73 Rnd. 0
8 K. Räikkönen McLaren M +73 Rnd. 0
9 J. Button BAR M +73 Rnd. 0
10 G. Fisichella Renault M +73 Rnd. 0
11 F. Alonso Renault M +73 Rnd. 0
12 T. Sato BAR M +73 Rnd. 0
13 M. Webber Williams M +73 Rnd. 0
14 F. Massa Sauber M +73 Rnd. 0
15 J. Montoya McLaren M +73 Rnd. 0
16 J. Villeneuve Sauber M +73 Rnd. 0
17 R. Zonta Toyota M +73 Rnd. 0
18 C. Klien Red Bull M +73 Rnd. 0
19 N. Heidfeld Williams M +73 Rnd. 0
20 D. Coulthard Red Bull M +73 Rnd. 0

Schnellste Rennrunde:
Michael Schumacher, Ferrari: 1:11.497 Minuten 2005

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Was vor dem Rennen wirklich passiert ist

Als Michelin am Samstagabend in einen Schriftverkehr mit der FIA eintrat und um ein Entgegenkommen bat, um doch am Rennen in Indianapolis teilnehmen zu können, glaubte noch kaum ein Formel-1-Insider daran, dass das Undenkbare tatsächlich passieren würde: ein Grand Prix mit nur sechs Autos am Start. Obwohl hinter den Kulissen bis zum letzten Augenblick verbissen verhandelt wurde, konnten sich die Verantwortlichen nicht auf eine Lösung einigen. Wir rekonstruieren, wie es überhaupt zur Farce von Indianapolis kommen konnte.

Michelin legte am Sonntagmorgen nach eingehenden Untersuchungen einiger im Training verwendeter Reifen, die über Nacht in der Fabrik im französischen Clermont-Ferrand und in einer weiteren Forschungseinrichtung und South Carolina durchgeführt worden waren, den sieben Partnerteams nahe, mit den für das Wochenende vorliegenden Reifen den Grand Prix der USA nicht zu bestreiten. Da es auch um rechtliche Fragen wie beispielsweise der Produkthaftung ging, war damit klar, dass sich niemand Michelin widersetzen und unter normalen Bedingungen an den Start gehen würde.

Schikane als Tempobremse vor der Steilkurve
Also setzten sich die Michelin-Teams an einen Tisch und tüftelten folgenden Vorschlag aus: Unmittelbar vor der Steilkurve sollte eine improvisierte Schikane errichtet werden - was in der Formel 1 in Barcelona 1994 übrigens schon einmal passiert ist -, um die Geschwindigkeiten und damit auch die Belastungen für den linken Hinterreifen zu drosseln. Naturgemäß sperrten sich aber Bridgestone und Ferrari dieser Idee - nach dem Motto: Warum sollen wir für etwas büßen, was unser schärfster Konkurrent zu verantworten hat?

Folglich waren die Michelin-Teams gezwungen, mit ihrem Kompromiss einen Schritt weiter zu gehen. Noch vor Mittag lag das Angebot auf dem Tisch, ein Rennen mit einer Schikane zu bestreiten, aber ohne WM-Punkte für Michelin-Autos. Das hätte bedeutet, dass die Zuschauer immerhin ein Rennen gesehen hätten, wenngleich die Bridgestone-Fahrzeuge automatisch auf den ersten sechs Plätzen gewertet worden wären. Im Interesse des Sports willigten auch Jordan-Toyota und Minardi-Cosworth ein, nicht aber Ferrari.

Angesichts der Krisensituation, dass es zu Übertragungsbeginn der meisten TV-Stationen 90 Minuten vor dem Start noch immer keine definitive Entscheidung gab, wurde ein Meeting mit Bernie Ecclestone, Vertretern der Reifenhersteller und allen Teamchefs einberufen, dem nur Ferrari fern blieb. Die Italiener vertraten die Einstellung, dass sie mit der Angelegenheit nichts zu tun hätten, und verwiesen auf die FIA, die für die Formel 1 zuständige Sportbehörde.

Mosley und die Michelin-Teams wurden sich nicht einig
Weil die Situation einer Änderung der Streckenführung im Reglement nicht verankert ist, ließ FIA-Präsident Max Mosley einen Start mit einer improvisierten Schikane nicht zu. Stattdessen forderte er die Michelin-Teams auf, entweder jede Runde durch die Boxengasse zu fahren oder in der Steilkurve aus Sicherheitsgründen das Tempo entsprechend anzupassen, was das Rennen freilich noch mehr zu einer Farce hätte werden lassen, als es schlussendlich ohnehin der Fall gewesen ist. Naturgemäß blieb den Michelin-Teams daraufhin keine andere Wahl, als ihre Autos zurückzuziehen.

Hinter verschlossenen Türen unterhielt sich Mosley via Telefon zu dem Zeitpunkt offenbar mit mehreren Teamchefs - laut Überlieferungen versuchte vor allem Renault-Boss Flavio Briatore, den FIA-Präsidenten von der Schikanen-Lösung zu überzeugen. Auch Mercedes nahm laut Sportchef Norbert Haug in den Diskussionen eine führende Position ein, doch schlussendlich scheiterte alles daran, dass die FIA kein Machtwort aussprach und nicht darauf bestand, eine Schikane einzubauen. Dadurch sahen sich die Michelin-Teams gezwungen, auf Empfehlung Michelins hin nicht am Rennen teilzunehmen.

Hoffnung wurde bis zuletzt nicht aufgegeben
Wenige Minuten nach dem Start wollte noch immer niemand wirklich an die Katastrophe glauben, weshalb die 14 betroffenen Autos zumindest auf den Grid geschickt wurden. Als die Aufwärmrunde begann, herrschte aber bereits Klarheit: "Komm an die Box", funkte beispielsweise der Renault-Kommandostand Alonso und Fisichella an. Einige Piloten meldeten noch am Funk, dass sie gerne starten würden, fügten sich aber den Weisungen ihrer Teams und bogen geschlossen an die Boxengasse ab. Nach zwei gefahrenen Runden im Rennen war dann der Spuk endgültig vorbei, als die ersten Michelin-Piloten in den Garagen kopfschüttelnd aus ihren Cockpits kletterten.

Interessantes Detail am Rande: Ursprünglich hatten sich Jordan-Toyota und Minardi-Cosworth mit den Michelin-Teams solidarisch erklärt und angekündigt, im Falle eines Verzichts auf die Schikane ebenfalls nicht am Rennen teilnehmen zu wollen. Bei Jordan-Toyota witterte man dann jedoch die Chance auf eine Vorentscheidung in der Konstrukteurs-WM, was den Kampf um Platz neun angeht, und zog den Boykott doch wieder zurück. Dadurch musste schließlich auch Minardi-Cosworth klein beigeben, um ebenfalls billige Punkte sammeln zu können, und an den Start gehen...

Dass die Schuld von vielen Zuschauern vor Ort Ferrari in die Schuhe geschoben wurde, ist freilich nicht korrekt, denn die Italiener haben gegen kein Reglement verstoßen. Vielmehr hat es sich Michelin selbst zuzuschreiben, denn wenn man sich in Clermont-Ferrand ordentlich vorbereitet hätte, wäre es nie zum gestrigen Eklat gekommen. Allerdings vertreten auch viele Insider die Ansicht, dass die FIA im Interesse des Sports ungeachtet aller politischen Hintergründe in Form der Schikane das Rennen hätte retten müssen.


FIA wirft den Michelin-Teams Boykott des Rennens vor

In ihrer Pressemitteilung betont die FIA, dass die Formel 1 eine Sportveranstaltung ist: "Sie muss nach klaren Regeln betrieben werden. Diese können nicht jedes Mal verhandelt werden, wenn ein Teilnehmer falsche Ausrüstung mit zu einem Rennen bringt." Damit verteidigt man FIA-Präsident Max Mosley, der den Vorschlag, eine Schikane zu errichten, die das Renntempo in der Steilwandkurve auf "Michelin-taugliches" Tempo gedrückt hätte, kategorisch ablehnte.

"In Indianapolis wurde uns von Michelin gesagt, dass ihre Reifen unsicher sein würden, solange sie nicht in der Hauptkurve eingebremst werden", heißt es weiter. "Wir haben das verstanden und haben neben anderen Vorschlägen ihnen angeboten zu helfen, indem wir die Geschwindigkeiten überwachen und jede Überschreitung bestrafen. Jedoch haben die Michelin-Teams es abgelehnt zuzustimmen, solange die Bridgestone-Fahrzeuge nicht um den gleichen Betrag eingebremst werden. Sie haben eine Schikane vorgeschlagen."

Doch eine Schikane kam unter anderem aus sportlicher Sicht nicht in Frage: "Die Michelin-Teams schienen nicht in der Lage zu sein, zu verstehen, dass dies sehr unfair und gegen die Regeln wäre. Die Bridgestone-Teams hatten passende Reifen. Sie mussten nicht langsamer machen. Die mangelnde Geschwindigkeit der Michelin-Teams durch Kurve 13 wäre das direkte Ergebnis minderwertigen Materials gewesen, so wie dies oft in der Formel 1 vorkommt."

Der Automobilweltverband wirft dem französischen Reifenhersteller vor, bei der Konzeption der Reifen nicht die eigentlich selbstverständlichen Auflagen eingehalten zu haben: "Man muss auch daran erinnern, dass die FIA alle Teams und beide Reifenhersteller am 1. Juni angeschrieben hat, um zu betonen, dass 'Reifen so konstruiert sein sollten, dass sie unter allen Umständen zuverlässig sind'."

Zudem sei eine Schikane auch aus Gründen der Sicherheit nicht installierbar gewesen: "Das hätte alle Autos gezwungen, auf einem Kurs zu fahren, dessen Eigenschaften sich fundamental verändert hätten - von ultra-schnell in sehr langsam und verwinkelt. Das hätte auch beinhaltet, dass man den Kurs verändert ohne irgendwelchen modernen Sicherheitsprozeduren zu genügen, möglicherweise mit Auswirkungen auf die Autos und ihre Bremsen."

Michelin konnte seinen Teams nicht nur deshalb keine Starterlaubnis erteilen, weil man sich sicher war, dass es zu Reifenschäden kommen würde, sondern auch, weil das Produkthaftungsgesetz in den USA strenger ist als in jedem anderen Land - und das wäre auch für die FIA zu einem Problem geworden, hätte es durch die Schikane einen Unfall gegeben: "Es ist nicht schwierig, sich die Reaktion eines amerikanischen Gerichts vorzustellen, hätte es einen Unfall gegeben, bei dem die FIA zugeben muss, dass man den eigenen Regeln und Sicherheitsprozeduren nicht hat genügen können."

"Der Grund für diese Debatte ist klar", heißt es in dem Schreiben weiter. "Jedes Team darf zwei Reifentypen mitbringen: einen als potentiellen Rennsieger, der am Limit ist, den anderen als Backup, der zwar langsamer aber absolut zuverlässig ist. Scheinbar hat keines der Michelin-Teams ein Backup mit nach Indianapolis gebracht. Sie haben nachträglich bekannt gegeben, dass sie neue Reifen von Frankreich einfliegen, aber dann haben sie behauptet, dass diese ebenfalls unsicher sind."

"Was ist mit den amerikanischen Fans?", fragt die FIA. "Was ist mit der Formel 1 weltweit? Anstatt das Rennen zu boykottieren, hätten die Michelin-Teams zustimmen sollen, in Kurve 13 mit reduzierter Geschwindigkeit zu fahren. Die Regeln wären eingehalten worden, sie hätten WM-Punkte geholt und die Fans hätten ein Rennen gehabt. So wie es war, sie abgelehnt haben solange zu fahren, bis die FIA die Regeln bricht und die Bridgestone-Teams einem Handicap unterwirft, haben sie sich selbst um dem Sport geschadet."



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